Persönliches Budget – Selbst-bestimmt leben durch Eingliederungshilfe

29. Juni 2026
Pflegekraft spricht mit älterem Mann

Inhalt

Mit dem Persönlichen Budget bestimmen Sie selbst: Wer unterstützt Sie? Wann und wie? Sie bekommen Geld statt fertige Hilfe-Angebote. Sie sind Ihr eigener Chef. In diesem Artikel erfahren Sie: Was ist das Persönliche Budget? Wie funktioniert es? Welche Vorteile hat es? Und wie beantragen Sie es? Selbst-Bestimmung leicht gemacht!

 

Was ist das Persönliche Budget? – Einfach erklärt

Die Grundidee
Normalerweise bei Eingliederungshilfe:

  • Das Amt zahlt direkt an einen Dienst
  • Der Dienst kommt zu Ihnen
  • Sie bekommen die Hilfe

Beim Persönlichen Budget:

  • Sie bekommen Geld vom Amt
  • Sie suchen sich selbst Hilfe
  • Sie bezahlen die Hilfe vom Geld

Der große Unterschied: Sie organisieren selbst. Sie sind der Chef.

Ein Beispiel aus dem Leben

Maria (35 Jahre) hat eine körperliche Behinderung.

Früher (Sach-Leistung):

  • Das Amt hat einen Dienst bezahlt
  • Der Dienst kam montags und donnerstags
  • Immer um 10 Uhr
  • Maria hatte keine Wahl

Heute (Persönliches Budget):

  • Maria bekommt 1.800 Euro pro Monat
  • Sie hat zwei Assistentinnen eingestellt
  • Die kommen, wann Maria es braucht
  • Auch abends oder am Wochenende
  • Maria plant ihre Woche selbst

Ergebnis: Maria hat mehr Freiheit. Mehr Flexibilität. Mehr Selbst-Bestimmung.

Der Unterschied zur Sach-Leistung

Kriterium Sach-Leistung Persönliches Budget
Sie bekommen Hilfe (fertig organisiert) Geld
Sie wählen Aus Diensten, die das Amt anbietet Wen Sie wollen
Organisation Macht der Dienst Machen Sie selbst
Flexibilität Feste Zeiten Sie bestimmen
Verantwortung Beim Dienst Bei Ihnen
Verwaltung Macht der Dienst Machen Sie (oder Budget-Assistenz)

 

Rechtliche Grundlagen – Ihr Recht auf das Budget

Das Persönliche Budget ist ein Rechts-Anspruch
Wichtig zu wissen: Seit 2008 haben Sie ein Recht auf Persönliches Budget!

Das steht im Gesetz: § 29 SGB IX

Das bedeutet:

  • Das Amt kann es nicht einfach ablehnen
  • Sie müssen nicht begründen, warum Sie es wollen
  • Es ist Ihr Recht

Für welche Leistungen gilt das Budget?

Sie können Budget bekommen für Leistungen von:

  • Eingliederungshilfe (das ist am häufigsten)
  • Pflege-Versicherung
  • Kranken-Versicherung (z.B. Haushalts-Hilfe)
  • Renten-Versicherung (Rehabilitation)
  • Unfall-Versicherung
  • Jugend-Hilfe

Träger-übergreifendes Budget

Sie können auch Leistungen von mehreren Stellen kombinieren.
Beispiel:

    • Eingliederungshilfe (für Assistenz)
    • Pflege-Kasse (für Pflege)
    • Kranken-Kasse (für Behandlungs-Pflege)

Alles wird in einem Budget zusammengefasst. Sie haben nur eine Ansprechstelle.

Die Unterschiede zwischen Eingliederungshilfe, Pflege und anderen Leistungen erklärt unser Artikel Eingliederungshilfe und andere Leistungen – Was ist der Unterschied?.

Wichtig: Das Budget ersetzt die Sach-Leistung

Sie bekommen entweder Sach-Leistung oder Budget. Nicht beides gleichzeitig.

Aber: Sie können später wechseln. Vom Budget zurück zur Sach-Leistung oder umgekehrt.

 

Wie funktioniert das Persönliche Budget?

Der Ablauf im Überblick

Die 8 Schritte:

  1. Sie stellen einen Antrag auf Persönliches Budget
  2. Ihr Bedarf wird ermittelt (wie bei normalem Antrag)
  3. Die Höhe des Budgets wird berechnet
  4. Sie erstellen einen Budget-Plan (Verwendungs-Konzept)
  5. Es gibt eine Budget-Konferenz (wie Gesamtplan-Konferenz)
  6. Sie unterschreiben eine Ziel-Vereinbarung
  7. Sie bekommen monatlich Geld auf Ihr Konto
  8. Sie weisen nach, wofür Sie das Geld ausgegeben haben

Wie hoch ist das Budget?

Grundregel: Das Budget orientiert sich an der Sach-Leistung.

Berechnung: Das Amt rechnet: Was würde die Sach-Leistung kosten?

Zum Beispiel:

  • 15 Stunden Assistenz pro Woche kosten 1.500 Euro/Monat
  • Sie bekommen als Budget: ca. 1.650-1.800 Euro/Monat

Warum mehr? Das nennt man „Sach-Leistung plus“. Sie bekommen oft 10-20% mehr. Damit können Sie:

  • Urlaubs-Vertretung bezahlen
  • Krankheits-Vertretung bezahlen
  • Verwaltungs-Kosten decken

Wie wird das Geld ausgezahlt?

Monatlich auf Ihr Konto. Oder auf das Konto einer Vertrauens-Person.

Pünktlich zum Monats-Anfang (meist 1. oder 2. des Monats).

Sie müssen vorher Nachweise erbringen (siehe unten: Verwendungs-Nachweise).

Was ist die Ziel-Vereinbarung?

Die Ziel-Vereinbarung ist ein Vertrag zwischen Ihnen und dem Amt.

Darin steht:

  • Wie hoch ist Ihr Budget?
  • Welche Ziele wollen Sie erreichen?
  • Welche Leistungen kaufen Sie damit?
  • Wie weisen Sie die Verwendung nach?
  • Wie oft wird überprüft?

Laufzeit: Meist 1-2 Jahre. Dann wird neu verhandelt.

Welche Formen des Persönlichen Budgets gibt es?

1. Das „einfache“ Persönliche Budget

Nur eine Leistung. Zum Beispiel: Nur Eingliederungshilfe.

Vorteile:

  • Einfacher zu beantragen
  • Nur ein Amt ist beteiligt
  • Übersichtlicher

Für wen geeignet? Wenn Sie nur Eingliederungshilfe brauchen.

2. Das träger-übergreifende Budget

Mehrere Leistungen werden kombiniert. Zum Beispiel: Eingliederungshilfe + Pflege + Reha.

Vorteile:

  • Alles aus einer Hand
  • Nur eine Zahlung
  • Nur ein Ansprech-Partner

Nachteile:

  • Komplizierter zu beantragen
  • Mehrere Ämter müssen sich einigen
  • Kann länger dauern

Für wen geeignet? Wenn Sie mehrere Leistungen von verschiedenen Stellen brauchen.

Beispiel: Herr Müller Er bekommt ein träger-übergreifendes Budget aus:

  • Eingliederungshilfe (1.200 €/Monat)
  • Pflege-Kasse (500 €/Monat)
  • Insgesamt: 1.700 €/Monat
  • Eine einzige Zahlung, ein einziger Ansprech-Partner beim Sozialamt

3. Das Budget für Arbeit

Eine spezielle Form seit 2018.

Für wen? Menschen, die in einer Werkstatt arbeiten, aber auf den allgemeinen Arbeits-Markt wechseln möchten.

Wie funktioniert es?

  • Ihr Arbeitgeber bekommt einen Lohn-Zuschuss (bis zu 75% des Lohns)
  • Sie bekommen Mindest-Lohn oder mehr
  • Plus: Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz

Mehr dazu im Artikel Leistungen der Eingliederungshilfe im Überblick. Dort werden alle Arbeits-Leistungen erklärt.

 

Die Vorteile des Persönlichen Budgets

Vorteil 1: Mehr Selbst-Bestimmung

Sie entscheiden:

  • Wer Sie unterstützt
  • Wann die Hilfe kommt
  • Wie die Hilfe aussieht

Beispiel: Anna braucht Hilfe beim Einkaufen. Mit Budget:

  • Sie sucht sich jemanden, mit dem die „Chemie“ stimmt
  • Nicht den Dienst, den das Amt vorschlägt
  • Sie geht einkaufen, wann es ihr passt
  • Nicht nur montags um 10 Uhr

Vorteil 2: Individuelle Lösungen

Sie finden die Hilfe, die zu Ihnen passt.

Nicht: Standard-Angebot vom Dienst Sondern: Genau das, was Sie brauchen

Beispiel: Thomas braucht jemanden, der Gebärden-Sprache kann. Mit Budget kann er gezielt eine Assistenz suchen, die das beherrscht.

Vorteil 3: Kontinuität

Sie haben feste Assistenten. Die gleichen Personen kommen immer wieder.

Nicht: Jeden Tag jemand Neues (wie manchmal bei Diensten) Sondern: Vertraute Personen, die Sie kennen

Vorteil: Ein Vertrauens-Verhältnis kann wachsen.

Vorteil 4: Flexibilität

Sie planen Ihren Tag selbst.

Mit Sach-Leistung:

  • Dienst kommt montags 10-12 Uhr
  • Wenn Sie da einen Termin haben: Pech

Mit Budget:

  • Ihre Assistenz kommt, wann Sie es brauchen
  • Auch abends, am Wochenende, im Urlaub
  • Sie sind flexibel

Vorteil 5: Wahl-Freiheit bei der Organisation

Sie wählen zwischen verschiedenen Modellen:

  1. Arbeitgeber-Modell: Sie stellen selbst Assistenten ein
  2. Dienst-Leistungs-Modell: Sie beauftragen Dienste
  3. Mischformen: Beides kombiniert

Mehr dazu weiter unten.

 

Die Heraus-Forderungen des Persönlichen Budgets

Ehrlich sein: Das Budget ist nicht für jeden geeignet. Es gibt auch Heraus-Forderungen.

Heraus-Forderung 1: Mehr Verantwortung

Sie müssen:

  • Organisieren
  • Verträge abschließen
  • Löhne zahlen (wenn Sie jemand einstellen)
  • Abrechnen
  • Nachweise erstellen

Das kann anstrengend sein. Besonders am Anfang.

Aber: Es gibt Hilfe! Budget-Assistenz kann Sie unterstützen (siehe unten).

Heraus-Forderung 2: Verwaltung und Bürokratie

Sie müssen Nachweise führen:

  • Wofür haben Sie das Geld ausgegeben?
  • Lohn-Abrechnungen (wenn Sie Arbeitgeber sind)
  • Rechnungen von Diensten
  • Quittungen

Das ist Papierkram. Manche Menschen mögen das nicht.

Heraus-Forderung 3: Arbeitgeber-Pflichten

Wenn Sie das Arbeitgeber-Modell wählen:

Sie müssen:

  • Arbeits-Verträge schreiben
  • Löhne pünktlich zahlen
  • Lohn-Steuer abführen
  • Sozial-Versicherung bezahlen
  • Urlaubs-Ansprüche regeln
  • Bei Krankheit: Ersatz organisieren

Das ist viel! Aber: Sie können ein Lohn-Büro beauftragen, das hilft.

Heraus-Forderung 4: Finanzielle Verantwortung

Sie müssen mit dem Geld auskommen.

  • Budget muss für den ganzen Monat reichen
  • Rücklagen bilden ist wichtig (für Urlaub, Krankheit)

Wenn das Geld nicht reicht? Sie können einen Änderungs-Antrag stellen. Aber: Das dauert.

Heraus-Forderung 5: Nicht für jeden geeignet

Ehrliche Selbst-Einschätzung wichtig!

Fragen Sie sich:

  • Kann ich organisieren?
  • Habe ich Unterstützung (Familie, Freunde, Budget-Assistenz)?
  • Traue ich mir das zu?
  • Mag ich Verwaltungs-Aufgaben?

Wenn nein: Sach-Leistung ist vielleicht besser für Sie.

Wenn unsicher: Lassen Sie sich beraten! EUTB hilft kostenlos.

 

So beantragen Sie das Persönliche Budget

Wo stelle ich den Antrag?

Beim gleichen Amt wie normale Eingliederungshilfe:

  • Sozial-Amt
  • Bezirk
  • Landrats-Amt

Bei mehreren Leistungen (träger-übergreifend): Bei allen beteiligten Ämtern. Eins davon koordiniert.
Den genauen Ablauf des Antrags-Verfahrens, welche Unterlagen Sie brauchen und wie die Bedarfs-Ermittlung funktioniert, erklärt unser Artikel Antrag stellen: Schritt für Schritt.

Der Antrag

Wichtig: Sie müssen deutlich machen, dass Sie Budget wollen!
Formlos möglich: Schreiben Sie:
„Hiermit beantrage ich Leistungen der Eingliederungshilfe in Form eines Persönlichen Budgets.“
Oder: Spezielle Formulare (wenn das Amt welche hat).

Beispiel-Text für Antrag:

Max Mustermann
Musterstraße 12
12345 Musterstadt

[Adresse des Amtes]

Musterstadt, 15. März 2026

Antrag auf Persönliches Budget

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich Leistungen der Eingliederungshilfe
in Form eines Persönlichen Budgets.

Ich benötige Unterstützung im Alltag und beim Wohnen.
Ich möchte meine Hilfe selbst organisieren und wähle
deshalb das Persönliche Budget.

Mit freundlichen Grüßen

Max Mustermann
[Unterschrift]

Geburtsdatum: 01.05.1990

Die Bedarfs-Ermittlung

Wie bei normalem Antrag:

  • Gespräch über Ihre Situation
  • Was brauchen Sie?
  • Was sind Ihre Ziele?

Plus: Was wollen Sie selbst organisieren? Wie stellen Sie sich das vor?

Der Budget-Plan (Verwendungs-Konzept)

Das ist wichtig! Sie erstellen einen Plan:

Im Budget-Plan steht:

  • Wofür geben Sie das Geld aus?
  • Welche Assistenten oder Dienste wollen Sie beauftragen?
  • Welche Kosten entstehen? (Rechnung aufstellen)
  • Welche Ziele verfolgen Sie?

Oft gibt es Vorlagen vom Amt. Fragen Sie danach!

Hilfe dabei:

  • EUTB-Beratungsstellen helfen kostenlos
  • Budget-Beratungs-Stellen
  • Sozial-Verbände

Die Budget-Konferenz

Ähnlich wie Gesamtplan-Konferenz bei normaler Eingliederungshilfe.

Wer ist dabei?

  • Sie selbst
  • Ihre Vertrauens-Person (wenn Sie wollen)
  • Mitarbeiter vom Amt
  • Bei träger-übergreifendem Budget: Vertreter aller beteiligten Ämter

Was passiert?

  • Ihr Budget wird besprochen
  • Budget-Höhe wird festgelegt
  • Ziel-Vereinbarung wird erstellt
  • Sie unterschreiben (wenn einverstanden)

Die Bewilligung

Sie bekommen einen Bescheid.

Darin steht:

  • Höhe des Budgets (z.B. 1.800 Euro/Monat)
  • Bedingungen
  • Wie Sie nachweisen müssen
  • Laufzeit (z.B. 2 Jahre)

Budget ist meist für 1-2 Jahre bewilligt. Dann wird neu verhandelt

 

Die drei Modelle des Persönlichen Budgets

Modell 1: Das Arbeitgeber-Modell

Sie sind der Arbeitgeber. Sie stellen Assistenten selbst ein.

Wie funktioniert es?

Sie:

  • Schreiben Stellen-Anzeigen
  • Führen Vorstellungs-Gespräche
  • Schließen Arbeits-Verträge ab
  • Zahlen Löhne
  • Führen Lohn-Steuer ab
  • Zahlen Sozial-Versicherung

Ihre Assistenten:

  • Sind Ihre Angestellten
  • Sie bezahlen sie vom Budget

Vorteile

Maximale Selbstbestimmung – Sie wählen, wer Sie unterstützt

Große Flexibilität – Assistenten kommen, wann Sie es brauchen

Vertrauens-Verhältnis – Sie kennen Ihre Assistenten persönlich

Nachteile

Viel Verwaltungs-Aufwand – Lohn-Abrechnung, Verträge, etc.

Arbeitgeber-Verantwortung – Sie müssen Löhne zahlen, auch bei Krankheit

Ersatz organisieren – Bei Urlaub oder Krankheit der Assistenz

Unterstützung

Sie sind nicht allein!

  • Budget-Assistenz hilft bei Verwaltung (gegen Bezahlung aus Budget)
  • Lohnbüros rechnen Löhne ab (ca. 20-40 €/Monat pro Assistenz)
  • Beratungs-Stellen helfen bei Verträgen

Für wen geeignet?

Für Menschen, die:

  • Viel Selbst-Bestimmung wollen
  • Bereit sind, sich einzuarbeiten
  • Unterstützung bei Verwaltung haben (oder kaufen)

Modell 2: Das Dienst-Leistungs-Modell

Sie beauftragen Dienste. Aber Sie wählen selbst, welche.

Wie funktioniert es?

Sie:

  • Suchen sich Dienste aus
  • Schließen Verträge mit Diensten
  • Bezahlen die Dienste vom Budget

Die Dienste:

  • Schicken Mitarbeiter zu Ihnen
  • Kümmern sich um Lohn, Vertretung, etc.
  • Rechnen mit Ihnen ab (Sie zahlen aus dem Budget)

Vorteile

Weniger Verwaltungs-Aufwand – Dienst kümmert sich um Verträge, Löhne

Keine Arbeitgeber-Pflichten – Sie sind nicht der Chef

Ersatz organisiert der Dienst – Bei Krankheit oder Urlaub

Nachteile

Weniger Mitsprache bei Personal – Dienst schickt Mitarbeiter

Dienste haben feste Strukturen – Weniger flexibel als eigene Assistenten

Oft teurer – Dienste kosten mehr als selbst angestellte Assistenten

Für wen geeignet?

Für Menschen, die:

  • Budget wollen (selbst wählen)
  • Aber nicht Arbeitgeber sein wollen
  • Sicherheit durch professionelle Dienste bevorzugen

Modell 3: Das Mischmodell

Kombination aus beiden. Zum Beispiel:

  • Einen Assistenten selbst angestellt
  • Und einen Dienst für Vertretung

Vorteile

Flexibel – Sie nutzen Vorteile beider Modelle

Absicherung – Bei Ausfall haben Sie Vertretung

Nachteile

Komplex – Mehr Organisation nötig

Mehr Koordination – Mehrere Verträge, mehrere Ansprech-Partner

Beispiel: Lisa

Lisa hat:

  • Eine Assistentin selbst angestellt (20 Std./Woche) – für Alltag und Freizeit
  • Einen Dienst für Vertretung (bei Urlaub oder Krankheit der Assistentin)
  • Budget: 1.600 €/Monat

So hat sie Flexibilität und Sicherheit.

Budget-Assistenz und Unterstützung

Was ist Budget-Assistenz?

Jemand hilft Ihnen bei der Verwaltung Ihres Budgets.

Budget-Assistenz hilft bei:

  • Lohn-Abrechnung
  • Erstellen von Verwendungs-Nachweisen
  • Verwaltung von Verträgen
  • Organisation von Vertretung
  • Buchführung

Wichtig: Budget-Assistenz macht nicht die persönliche Unterstützung (Assistenz im Alltag). Sie hilft nur bei der Verwaltung.

Wer bietet Budget-Assistenz an?

  • Spezielle Dienste
  • Beratungs-Stellen
  • Ambulante Dienste
  • Lohnbüros

Was kostet Budget-Assistenz?

Unterschiedlich: 50-200 Euro pro Monat (je nach Aufwand).

Wird aus dem Budget bezahlt. Muss im Budget-Plan stehen.

Beispiel: Ihr Budget: 1.800 €/Monat Budget-Assistenz: 100 €/Monat Bleiben für Assistenten: 1.700 €/Monat

Brauche ich einen Budget-Berater?

Für die Antrags-Phase: Sehr hilfreich!

EUTB-Beratungs-Stellen beraten kostenlos:

  • Ist Budget das Richtige für mich?
  • Wie beantrage ich es?
  • Wie erstelle ich einen Budget-Plan?

Auch nach Bewilligung: Unterstützung weiter möglich.

Wo Sie Budget-Beratung und allgemeine Unterstützung finden, erklärt unser Artikel Beratung und Unterstützung finden.

 

Verwendungs-Nachweise und Dokumentation

Was muss ich nachweisen?

Sie müssen zeigen: Wofür haben Sie das Geld ausgegeben?

Nachweise können sein:

  • Arbeits-Verträge Ihrer Assistenten
  • Lohn-Abrechnungen
  • Rechnungen von Diensten
  • Quittungen
  • Überweisungs-Belege

Wie oft muss ich nachweisen?

Meist: Viertel-jährlich oder halb-jährlich.

Steht in der Ziel-Vereinbarung. Das Amt sagt Ihnen, wie oft.

Vorlagen: Das Amt gibt Ihnen Vorlagen. Und sagt, was Sie ausfüllen müssen.

Wichtig: Rechtzeitig einreichen!

Wenn Sie zu spät sind:

  • Mahnung vom Amt
  • Im schlimmsten Fall: Budget wird gekürzt oder gestrichen

Deshalb: Immer pünktlich abgeben!

Tipps für gute Dokumentation

  1. Ordner anlegen
    • Alle Belege sammeln
    • Nach Monaten sortieren
  2. Monatlich abheften
    • Nicht alles auf den letzten Moment schieben
    • Jeden Monat: Belege sortieren
  3. Tabelle führen
    • Excel oder auf Papier
    • Datum – Wofür – Betrag
    • So behalten Sie den Überblick
  4. Kopien machen
    • Von allem Kopien machen!
    • Original ans Amt, Kopie für Sie

    Vereinfachter Nachweis

    Bei einfachen Fällen möglich:

    • Pauschale Nachweise
    • Weniger Aufwand

    Muss mit Amt vereinbart werden. Fragen Sie danach!

     

    Arbeitgeber sein – Das müssen Sie wissen

    Wenn Sie das Arbeitgeber-Modell wählen:

    Einen Assistenten einstellen

    Schritt für Schritt:

    1. Assistenten suchen
    • Anzeige schalten (Online-Portale, Zeitungen)
    • Mund-zu-Mund-Propaganda: Wer ist gut?
    • Beratungs-Stellen haben oft Kontakte
    1. Vorstellungs-Gespräch
    • Kennen lernen
    • Sympathie prüfen
    • Qualifikationen fragen
    1. Probe-Arbeiten
    • 1-2 Tage zum Testen
    • Passt die „Chemie“?
    1. Arbeits-Vertrag
    • Schriftlich!
    • Stunden-Lohn festlegen (Mindest-Lohn beachten!)
    • Arbeits-Zeiten regeln
    • Probezeit vereinbaren (z.B. 3 Monate)

    Hilfe: Muster-Verträge gibt es bei EUTB oder im Internet.

    Lohn-Abrechnung

    Monatlich müssen Sie:

    • Lohn zahlen (pünktlich!)
    • Lohn-Steuer berechnen und abführen
    • Sozial-Versicherung berechnen und abführen
    • Meldungen an Kranken-Kasse machen

    Das ist kompliziert!

    Lösung: Beauftragen Sie ein Lohnbüro.

    • Kostet ca. 20-40 Euro pro Monat und Assistenz
    • Macht alles für Sie
    • Sie geben nur Stunden durch
    • Lohnbüro rechnet ab

    Wird aus dem Budget bezahlt.

    Urlaub und Krankheit

    Assistenten haben Rechte:

    Urlaub:

    • Mindestens 24 Tage pro Jahr (bei 6-Tage-Woche)
    • Bei 5-Tage-Woche: 20 Tage
    • Sie zahlen Lohn weiter (Urlaubs-Geld)

    Krankheit:

    • Bis zu 6 Wochen: Sie zahlen Lohn weiter (Lohn-Fortzahlung)
    • Ab 7. Woche: Kranken-Kasse zahlt (Krankengeld)

    Problem: Sie brauchen Vertretung!

    Lösung:

    • Mehrere Assistenten haben
    • Oder: Vertretungs-Dienst vereinbaren

    Wichtig: Rücklagen bilden! Für Urlaub und Krankheit.

    Kündigung

    Wenn es nicht passt:

    Sie können kündigen. Aber:

    • Kündigungs-Fristen beachten (meist 4 Wochen zum 15. oder Monatsende)
    • Kündigungs-Schutz beachten (nach 6 Monaten)
    • Schriftlich kündigen
    • Arbeits-Zeugnis ausstellen

    Lassen Sie sich beraten! Fehler bei Kündigung können teuer werden.

    Ihre Pflichten als Arbeitgeber – Checkliste

    • Arbeits-Vertrag schließen
    • Assistenz bei Kranken-Kasse anmelden
    • Berufs-Genossenschaft informieren
    • Lohn pünktlich zahlen
    • Lohn-Steuer abführen
    • Sozial-Versicherung zahlen
    • Urlaubs-Anspruch gewähren
    • Bei Krankheit: Lohn weiterzahlen (6 Wochen)
    • Arbeits-Zeugnis ausstellen (bei Kündigung)

    Das klingt nach viel? Ist es auch. Aber: Mit Budget-Assistenz oder Lohnbüro ist es machbar!

    Haftung und Versicherung

    Wichtig:

    Betriebs-Haftpflicht: Empfohlen. Falls Ihre Assistenz etwas kaputt macht.

    Unfall-Versicherung: Pflicht! Ihre Assistenten sind automatisch über die Berufs-Genossenschaft versichert.

    Rechtsschutz-Versicherung: Sinnvoll. Bei Streit mit Assistenten.

    Praktische Tipps für den Alltag mit Budget

    Tipp 1: Gute Assistenten finden

    Wo suchen?

    • Online-Portale (z.B. persoenliche-assistenz.de)
    • Anzeigen in Zeitungen
    • Schwarze Bretter (Uni, Berufsschulen)
    • Mund-zu-Mund-Propaganda
    • Beratungs-Stellen haben oft Kontakte

    Worauf achten?

    • Sympathie (am wichtigsten!)
    • Zuverlässigkeit
    • Qualifikation (je nach Bedarf)
    • Referenzen

    Tipp 2: Gute Zusammenarbeit gestalten

    Regelmäßige Gespräche:

    • Einmal im Monat kurz zusammensetzen
    • Was läuft gut? Was nicht?

    Klare Absprachen:

    • Wer macht was?
    • Wie soll es gemacht werden?

    Wertschätzung zeigen:

    • Danke sagen
    • Gute Arbeit loben
    • Fair bezahlen

    Konflikte frühzeitig ansprechen:

    • Nicht alles runterschlucken
    • Probleme offen ansprechen
    • Gemeinsam Lösungen finden

    Tipp 3: Mit dem Budget haushalten

    Monats-Plan erstellen:

    • Wie viel Geld kommt rein?
    • Welche festen Ausgaben? (Löhne, Budget-Assistenz)
    • Was bleibt übrig?

    Rücklagen bilden:

    • Für Urlaub (Urlaubs-Geld für Assistenten)
    • Für Krankheit (Lohn-Fortzahlung)
    • Für Vertretung

    Nicht mehr ausgeben als da ist:

    • Budget muss reichen
    • Keine Schulden machen

    Puffer einplanen:

    • Immer etwas Geld übrig lassen
    • Für Unvorhergesehenes

    Tipp 4: Was tun bei Problemen?

    Problem: Assistenz kündigt plötzlich > Vertretungs-Dienst anrufen (vorher vereinbaren!) > Andere Assistenz fragen (Überstunden?) > Schnell neue Assistenz suchen

    Problem: Budget reicht nicht > Änderungs-Antrag stellen beim Amt > Budget-Plan überprüfen (Wo kann gespart werden?) > Budget-Assistenz um Rat fragen

    Problem: Streit mit Assistenz > Klärungs-Gespräch > Eventuell Mediator hinzu ziehen > Wenn nicht lösbar: Kündigung (mit Frist!)

    Problem: Amt mahnt Nachweise an > Sofort einreichen! > Budget-Assistenz um Hilfe bitten > Vorlagen vom Amt nutzen

     

    Häufige Fragen und Irrtümer

    Irrtum 1: „Das ist zu kompliziert für mich“

    Stimmt nicht! Mit Unterstützung ist es machbar.

    • Budget-Assistenz hilft bei Verwaltung
    • EUTB berät kostenlos
    • Viele Menschen schaffen es – Sie auch!

    Tipp: Fangen Sie klein an. Probieren Sie es aus.

    Irrtum 2: „Ich muss alles selbst machen“

    Stimmt nicht! Sie können Hilfe einkaufen.

    • Budget-Assistenz für Verwaltung
    • Lohnbüro für Lohn-Abrechnung
    • Steuerberater für Steuern

    Sie entscheiden: Wie viel Sie selbst machen. Wie viel Sie delegieren.

    Irrtum 3: „Das Budget ist weniger als die Sach-Leistung“

    Stimmt nicht! Es ist meist oft mehr.

    „Sach-Leistung plus“: 10-20% mehr als Sach-Leistung.

    Irrtum 4: „Ich kann das Budget nicht mehr ändern“

    Stimmt nicht! Es kann angepasst werden.

    • Bei Veränderungen: Änderungs-Antrag
    • Bei mehr Bedarf: Budget erhöhen
    • Bei weniger Bedarf: Budget senken

    Irrtum 5: „Ich kann nicht zurück zur Sach-Leistung“

    Stimmt nicht! Ein Wechsel ist möglich.

    Sie können jederzeit zurück zur Sach-Leistung wechseln.

    Allerdings: Mit Übergangs-Zeit. Nicht von heute auf morgen.

    Vom Budget zurück zur Sach-Leistung

    Wann ist ein Wechsel sinnvoll?

    Gründe:

    • Sie sind überfordert mit der Organisation
    • Ihre Situation hat sich geändert (z.B. Gesundheit schlechter)
    • Sie wollen mehr Sicherheit
    • Sie haben keine Lust mehr auf Verwaltung

    Keine Schande! Das Budget ist nicht für jeden das Richtige.

    Wie wechseln Sie zurück?

    Schritte:

    1. Antrag beim Amt stellen „Ich möchte von Persönlichem Budget zurück zu Sach-Leistung wechseln.“
    2. Kündigungs-Fristen beachten
    • Für Ziel-Vereinbarung (meist 3 Monate zum Quartals-Ende)
    • Für Ihre Assistenten (Arbeitsvertrag-Kündigungsfrist)
    1. Assistenten kündigen (wenn Arbeitgeber-Modell)
    • Kündigungs-Fristen einhalten
    • Arbeits-Zeugnis ausstellen
    1. Übergangs-Phase planen
    • Wie wird Hilfe in der Zwischenzeit organisiert?
    • Dienst für Sach-Leistung suchen
    1. Abrechnung abschließen
    • Letzte Verwendungs-Nachweise einreichen
    • Budget-Reste zurückzahlen (wenn noch Geld übrig)

    Keine Schande

    Wichtig zu verstehen:

    Das Budget zu beenden ist keine Niederlage. Sie haben es probiert. Es hat nicht gepasst.

    Es braucht Mut, zurück zu wechseln. Respekt dafür!

    Ihre Bedürfnisse sind wichtig. Wenn Sach-Leistung besser zu Ihnen passt: Dann ist das der richtige Weg.

     

    Erfolgs-Geschichten – So kann es gehen

    Thomas (42): „Endlich mein eigenes Leben“

    Früher: Thomas lebte in einer Wohn-Einrichtung. Feste Zeiten. Wenig Mitsprache.

    Heute: Thomas hat eine eigene Wohnung. Persönliches Budget: 2.200 €/Monat.

    Er hat:

    • Zwei Assistenten selbst eingestellt (Arbeitgeber-Modell)
    • Eine Budget-Assistenz (100 €/Monat) für Verwaltung
    • Morgens und abends Unterstützung
    • Am Wochenende: Freizeit-Begleitung

    Sein Fazit: „Ich lebe endlich mein eigenes Leben. Ich entscheide, wann ich aufstehe. Was ich esse. Was ich mache. Das Budget war die beste Entscheidung.“

     
    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Kann ich mehrere Leistungen als Persönliches Budget bekommen?

    Ja! Das nennt man träger-übergreifendes Persönliches Budget. Sie bekommen Geld von mehreren Stellen (z.B. Eingliederungshilfe + Pflege-Kasse) und organisieren alles selbst. Alle Details dazu finden Sie im Artikel Persönliches Budget – Selbstbestimmt leben.

    Ist das kompliziert mit mehreren Leistungen?

    Es kann komplex sein, aber Sie bekommen Hilfe: Budget-Assistenz, Beratungs-Stellen, Koordinierung durch einen Haupt-Träger. Und: Sie haben maximale Selbst-Bestimmung!

    Sie haben weitere Fragen?

    Wenden Sie sich an eine EUTB-Beratungs-Stelle. Die Beratung ist kostenlos und unabhängig. Die Berater helfen Ihnen, die richtige Leistung zu finden, und bei komplexen Zuständigkeits-Fragen. Kontakte finden Sie in unserem Artikel Beratung und Unterstützung finden.

     
     
    Quellen

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