Was ist Verhinderungspflege? –
Definition und Beispiele
„Verhinderungspflege“ ist ein Begriff aus dem deutschen Sozialrecht. Es bedeutet: Eine andere Person übernimmt die Pflege, wenn die normale Pflegeperson vorübergehend ausfällt.
Das passiert zum Beispiel, wenn:
- die Pflegeperson krank ist,
- sie Urlaub macht, oder
- sie aus anderen persönlichen Gründen nicht helfen kann.
Meistens ist die normale Pflegeperson ein Familienmitglied oder ein naher Verwandter.
Wichtige Begriffe
- Verhinderungspflege: Offizieller Begriff in Gesetzen.
- Ersatzpflege: Ein anderes Wort für Verhinderungspflege.
Die Behandlungspflege umfasst Aufgaben wie das Verabreichen von Medikamenten oder die Versorgung von Wunden. Diese Arbeiten dürfen nur speziell ausgebildete Kranken- oder AltenBetreuungskräfte durchführen.
Warum ist das so?
Das ist gesetzlich vorgeschrieben. So wird sichergestellt, dass die Versorgung fachgerecht und sicher ist.
Wer hat Anspruch auf
Verhinderungspflege?
Damit Sie Verhinderungspflege nutzen können, müssen diese vier Bedingungen erfüllt sein:
- Pflegegrad 2 oder höher
Die gepflegte Person muss mindestens Pflegegrad 2 haben. Pflegegrad 1 reicht nicht aus. - Pflege durch eine vertraute Person
Die Pflege wird von einem Angehörigen, Freund oder Nachbarn ehrenamtlich (ohne Bezahlung) zu Hause übernommen.
Wichtig: Verhinderungspflege gibt es nicht, wenn nur ein Pflegedienst oder eine Pflegeeinrichtung hilft. - Pflege seit mehr als sechs Monaten
Die pflegende Person kümmert sich schon länger als sechs Monate um die Pflege. Das nennt man „Vorpflegezeit“. - Pflegeperson kann vorübergehend nicht pflegen
Die Person, die pflegt, kann das vorübergehend nicht tun – zum Beispiel wegen Urlaub, Krankheit oder Arbeit.
Wenn diese Punkte erfüllt sind, können Sie Verhinderungspflege beantragen.
Wie beantrage ich Verhinderungspflege?
Sie stellen einen Antrag auf Verhinderungspflege bei Ihrer Pflegekasse.
Laden Sie das Formular online herunter oder fordern Sie es per Post an. Viele Krankenkassen bieten diesen Antrag zum Download an.
Hier haben wir Ihnen einige Links zusammengestellt:
TK – Techniker Krankenkasse
Barmer
AOK Rheinland/Hamburg – Online Formular
AOK Nordost
DAK – Gesundheit
Sollte Ihre Krankenkasse nicht in dieser Liste sein, fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach einem Formular zur Beantragung von Verhinderungspflege.
Wie fülle ich den Antrag aus?
Um den Antrag auf Verhinderungspflege ausfüllen zu können, brauchen Sie folgende Informationen:
- Persönliche Daten der Pflegeperson
- Persönliche Daten und Versichertennummer der pflegebedürftigen Person
- Information zum Pflegegrad (0-5)
- Zeitraum der geplanten Verhinderungspflege
- Verhinderungsgrund der Pflegeperson
Welche Alternativen gibt es zur Verhinderungspflege?
Ja, es gibt mehrere Möglichkeiten, wie pflegende Angehörige entlastet werden können. Hier sind die wichtigsten Alternativen:
Die pflegebedürftige Person wird für eine kurze Zeit in einem Pflegeheim betreut.
Dort kümmern sich Fachkräfte rund um die Uhr um sie.
Das ist besonders hilfreich in Notfällen oder wenn Angehörige Urlaub machen möchten.
Pflegekräfte kommen nach Hause und helfen für ein paar Stunden.
Wann und wie oft sie kommen, wird vorher abgesprochen.
Die pflegebedürftige Person verbringt den Tag in einer Tagespflege-Einrichtung.
Dort gibt es Betreuungsangebote, Programme zur Aktivierung und Kontakt zu anderen Menschen.
Abends kehrt sie nach Hause zurück.
Nachbarn, Freunde oder freiwillige Helfer unterstützen bei der Pflege.
Das ist meist günstiger und durch vertraute Personen oft angenehmer.
Eine Betreuungsperson lebt im Haushalt der pflegebedürftigen Person.
Sie hilft den ganzen Tag und die ganze Nacht, wenn es nötig ist.
Diese Möglichkeit ist sinnvoll, wenn der Pflegebedarf sehr hoch ist.
Option | Betreuungsort | Flexibilität | Kostenübernahme |
---|---|---|---|
Kurzzeitpflege | Stationär | Begrenzter Zeitraum | Pflegekasse bis 1.774 EUR pro Jahr |
Pflegedienst | Zuhause | Hoch | Entlastungsbeträge oder Pflegegeld |
Tagespflege | Einrichtung | Tagsüber | Pflegekassenleistung |
Nachbarschaftshilfe | Zuhause | Sehr hoch | Entlastungsbeträge bis 131 EUR pro Monat |
24-Stunden-Pflegekräfte | Zuhause | Kontinuierlich | Privatfinanzierung |
Wann ist welche Alternative sinnvoll?
Diese Alternativen bieten unterschiedliche Möglichkeiten, um die Pflegebedürftigkeit gut zu organisieren. Sie helfen auch, pflegende Angehörige zu entlasten.
- Kurzzeitpflege: Ideal bei Krankenhausaufenthalten der pflegenden Person.
- Pflegedienst: Flexible Lösung bei stundenweiser Entlastung.
- Tagespflege: Geeignet für Pflegebedürftige, die sozialen Kontakt suchen.
- Nachbarschaftshilfe: Optimal bei geringem Pflegeaufwand.
- 24-Stunden-Pflegekräfte: Effektiv bei intensiver Betreuung rund um die Uhr.
Wichtig ist: Wählen Sie die Lösung, die am besten zu Ihrer Situation und den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person passt.
Wie hoch ist das Budget für Verhinderungspflege?
Wie viel Geld gibt es?
Jedes Jahr gibt es eine feste Summe, die die Pflegekasse für bestimmte Kosten zahlt. Seit dem 1. Januar 2025 können Sie maximal 1.685 EUR pro Jahr für Verhinderungspflege beantragen. Diese Summe gilt für höchstens 42 Tage pro Jahr. Bei stundenweiser Abrechnung (nicht ganztags) bleibt der Höchstsatz von 1.685 EUR bestehen. In diesem Fall werden die 42 Tage nicht angerechnet.
Wo beantragen Sie das?
Die Formulare bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse. Der Betrag ist bei allen Krankenkassen gleich. Wenn Sie einen Pflegedienst wie Home Instead, beauftragen, kümmert sich der Pflegedienst oft um den Antrag.
Zusätzliches Geld möglich
Wenn Sie keine Kurzzeitpflege in einem Heim brauchen, können Sie 50 % des Budgets für Kurzzeitpflege (843 EUR pro Jahr) für Verhinderungspflege nutzen. Insgesamt stehen dann bis zu 2.528 EUR für die Verhinderungspflege zur Verfügung.
Wie bekomme ich das zusätzliche Budget?
Sie müssen die Pflegekasse informieren, zum Beispiel, wenn Sie eine Rechnung einreichen.
Änderung ab 1. Juli 2025
Ab dem 1. Juli 2025 wird alles einfacher. Die Beträge für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege werden zusammengelegt. Sie müssen nicht mehr extra beantragt werden. Dann gibt es 3.539 EUR pro Jahr.