Menschen mit Alzheimer wertschätzend begleiten.
Eine vertraute Person erkennt das eigene Gesicht plötzlich nicht mehr. Eine gemeinsame Erinnerung, über die man früher oft gesprochen hat, scheint verschwunden. Oder alltägliche Dinge, die jahrzehntelang selbstverständlich waren, werden zunehmend schwierig.
Für Angehörige können solche Veränderungen schmerzhaft sein. Doch auch wenn eine Alzheimer-Erkrankung Erinnerungen und Fähigkeiten verändert, bleibt hinter der Erkrankung ein Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit und Geschichte und mit individuellen Bedürfnissen.
Der Welt-Alzheimertag am 21. September macht auf die Situation von Menschen mit Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen sowie ihrer Angehörigen aufmerksam. Er ist gleichzeitig eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, was ein wertschätzender Umgang mit Demenz im Alltag bedeutet.
Alzheimer und Demenz – was ist der Unterschied?
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung oder Sprache zunehmend beeinträchtigt werden. Alzheimer ist eine Form der Demenz – und zugleich die häufigste. Daneben gibt es weitere Demenzformen wie die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körper-Demenz oder die frontotemporale Demenz.
Alzheimer verändert mehr als das Gedächtnis
Im Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung nehmen verschiedene geistige Fähigkeiten ab. Häufig ist zunächst das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Später können auch Sprache, Orientierung und das Langzeitgedächtnis zunehmend beeinträchtigt werden. Selbstständige Tätigkeiten im Alltag fallen dadurch immer schwerer.
Die Erkrankung verläuft jedoch individuell. Welche Schwierigkeiten auftreten und wie Menschen damit umgehen, hängt unter anderem von der Persönlichkeit, dem Stadium der Erkrankung und den jeweiligen Lebensumständen ab.
Deshalb sollte nicht allein im Mittelpunkt stehen, was ein Mensch nicht mehr kann.
Weitere Informationen zur Erkrankung, zum Leben mit Demenz und zum Umgang mit Betroffenen finden Sie in unserer Themenwelt Demenz.
Den Menschen hinter der Erkrankung sehen
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft empfiehlt Angehörigen, die Bedürfnisse, Wünsche und auch die eigene Wahrnehmung von Menschen mit Demenz ernst zu nehmen. Unnötige Kritik und ständige Korrekturen können dagegen zusätzlichen Stress verursachen.
Das kann im Alltag beispielsweise bedeuten, nicht jedes vergessene Detail zu korrigieren oder das Gedächtnis ständig abzufragen. Auch das Bundesgesundheitsportal rät Angehörigen dazu, Verwechslungen nicht permanent richtigzustellen und Gedächtnisprobleme – etwa wenn der eigene Name vergessen wird – nicht persönlich zu nehmen.
Wertschätzung zeigt sich damit häufig in kleinen Dingen: zuhören, Zeit geben und die aktuelle Wahrnehmung des anderen ernst nehmen.
Vertrautes kann Orientierung geben
Wenn die eigene Orientierung schwieriger wird, können bekannte Strukturen helfen.
Ein möglichst gleichbleibender Tagesablauf, vertraute Gewohnheiten sowie Orientierungshilfen wie Kalender, Uhren oder Beschriftungen können Menschen mit Demenz dabei unterstützen, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft empfiehlt außerdem, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange einzubeziehen, anstatt Betroffenen frühzeitig sämtliche Aufgaben abzunehmen.
Auch bekannte Beschäftigungen können eine Rolle spielen. Gemeinsam Musik hören, vertraute Lieder singen, spazieren gehen, im Haushalt helfen oder alte Fotos betrachten können Möglichkeiten sein, an persönliche Interessen und die eigene Biografie anzuknüpfen.
Das vertraute Zuhause kann dabei ebenfalls Halt geben. Auch der Home-Instead-Ratgeber zur Demenz hebt hervor, dass professionelle Entlastungsangebote Menschen mit Demenz die Möglichkeit bieten, weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung zu leben.
Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten
Unterstützung bedeutet nicht zwangsläufig, einem Menschen jede Aufgabe abzunehmen.
Eigenständigkeit trägt auch bei einer Demenzerkrankung zu Selbstachtung, Sicherheit und Lebenszufriedenheit bei. Tätigkeiten können beispielsweise vereinfacht oder in einzelne Schritte aufgeteilt werden, sodass Betroffene weiterhin selbst aktiv sein können.
Was möglich ist, verändert sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Entscheidend ist deshalb eine Unterstützung, die sich am jeweiligen Menschen und seinen aktuellen Fähigkeiten orientiert.
Auch Angehörige brauchen Unterstützung
Eine Demenzerkrankung betrifft nicht nur den erkrankten Menschen. Angehörige übernehmen häufig über viele Jahre einen erheblichen Teil der Betreuung und tragen damit große Verantwortung.
Entlastung anzunehmen ist deshalb ebenfalls Teil eines guten Umgangs mit der Erkrankung. Aufgaben können innerhalb der Familie verteilt oder durch professionelle Betreuungs- und Pflegedienste ergänzt werden. Home Instead empfiehlt in seinem Demenz-Ratgeber außerdem, frühzeitig weitere Personen unterstützend in die Betreuung einzubeziehen. Dadurch können feste Abläufe entstehen, die auch dem Menschen mit Demenz Stabilität geben können.
Der Mensch bleibt im Mittelpunkt
Alzheimer verändert Erinnerungen, Fähigkeiten und den gemeinsamen Alltag. Umso wichtiger wird es, den Blick nicht ausschließlich auf das zu richten, was verloren geht.
Vertraute Gewohnheiten, vorhandene Fähigkeiten, persönliche Vorlieben und individuelle Bedürfnisse können weiterhin Ausgangspunkte für gemeinsame Momente sein.
Ein wertschätzender Umgang mit Demenz bedeutet deshalb vor allem, die Erkrankung ernst zu nehmen – ohne den Menschen dahinter aus den Augen zu verlieren.
Mehr über Unterstützung und Begleitung bei Demenz erfahren Sie bei Home Instead.