Mythen-Check: Angehörigenpflege läuft doch einfach nebenbei?

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Viele Menschen denken: „Ein bisschen im Haushalt helfen, zu einem Arzttermin begleiten oder regelmäßig nach dem Rechten sehen, das lässt sich doch irgendwie nebenbei erledigen.“ Doch genau das stimmt nicht.

In unserem Mythen-Check greifen wir Aussagen auf, die uns rund um Pflege, Betreuung und Unterstützung zuhause immer wieder begegnen. Ein besonders verbreiteter Irrtum lautet: Angehörigenpflege bestehe hauptsächlich aus kleinen Gefälligkeiten und lasse sich problemlos in den Alltag integrieren. Tatsächlich bedeutet die Pflege eines nahestehenden Menschen häufig eine große Verantwortung: zeitlich, körperlich und emotional.

Angehörigenpflege umfasst mehr als ein bisschen Hilfe
Pflege beginnt nicht erst bei der Körperpflege oder bei einer umfassenden medizinischen Versorgung. Schon im ganz normalen Alltag übernehmen Angehörige häufig zahlreiche Aufgaben.

Dazu gehören zum Beispiel:
– Unterstützung beim An- und Auskleiden
– Begleitung zu Arztterminen
– Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten
– Hilfe im Haushalt
– Organisation von Terminen und Unterlagen
– Erinnerung an Medikamente
– Betreuung und Gesellschaft
– ständige Erreichbarkeit bei Problemen

Was einzeln betrachtet nach kleinen Aufgaben klingt, kann sich schnell zu einer großen täglichen Verantwortung entwickeln. Besonders dann, wenn mehrere Aufgaben zusammenkommen oder die unterstützte Person nicht mehr allein bleiben kann.

Pflege kennt häufig keinen Feierabend
Angehörigenpflege lässt sich nicht immer auf feste Zeiten begrenzen. Hilfe wird oft morgens, abends, am Wochenende oder sogar nachts benötigt. Pflegende Angehörige müssen ihren eigenen Tagesablauf deshalb häufig nach den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person ausrichten.

Arzttermine werden koordiniert, Mahlzeiten vorbereitet, Medikamente kontrolliert und alltägliche Aufgaben übernommen. Hinzu kommt das Gefühl, jederzeit erreichbar sein zu müssen. Viele Angehörige haben das Handy ständig griffbereit oder machen sich Sorgen, wenn sie einmal nicht vor Ort sein können. Eine repräsentative Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, wie groß dieser Aufwand sein kann: Hauptpflegepersonen wenden im Durchschnitt rund 49 Stunden pro Woche für die häusliche Pflege auf. Das ist mehr als eine klassische Vollzeit-Arbeitswoche.

Zwei Aufgaben – eine Person
Viele pflegende Angehörige kümmern sich nicht ausschließlich um die Pflege. Sie gehen gleichzeitig ihrem Beruf nach, versorgen die eigene Familie, organisieren den Haushalt und versuchen, ihren persönlichen Verpflichtungen gerecht zu werden.

Laut der Befragung arbeiten rund 46 Prozent der Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter in Vollzeit. Weitere 37 Prozent sind in Teilzeit beschäftigt. Ein Teil der Betroffenen reduziert seine Arbeitszeit aufgrund der Pflege oder gibt die Berufstätigkeit sogar vollständig auf. Damit übernehmen viele Angehörige zwei anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig: ihren Beruf und die Versorgung eines nahestehenden Menschen.

Diese Doppelbelastung bleibt im Umfeld häufig unsichtbar. Denn vieles geschieht hinter verschlossenen Türen und wird von den Angehörigen als selbstverständlich angesehen.

Die eigenen Bedürfnisse geraten in den Hintergrund
Wer einen geliebten Menschen pflegt, möchte helfen und Verantwortung übernehmen. Dabei passiert es schnell, dass die eigenen Bedürfnisse immer weiter zurückgestellt werden.

Typische Folgen können sein:
– wenig oder unruhiger Schlaf
– kaum Zeit für Freunde und Familie
– fehlende Erholungsphasen
– körperliche Erschöpfung
– emotionale Belastung
– das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen
– ein schlechtes Gewissen bei eigenen Auszeiten
– zunehmende Überforderung

Viele Angehörige bemerken erst spät, wie stark sie bereits belastet sind. Sie möchten die pflegebedürftige Person nicht enttäuschen oder haben das Gefühl, die Betreuung allein schaffen zu müssen. Doch Unterstützung anzunehmen bedeutet nicht, jemanden im Stich zu lassen. Im Gegenteil: Entlastung kann dabei helfen, die Pflege langfristig verlässlich und liebevoll zu gestalten.

Ein Beispiel aus dem Alltag
Stell Dir vor, Dein Vater lebt noch in seinem eigenen Zuhause. Morgens hilfst Du ihm beim Anziehen und bereitest das Frühstück vor. Danach fährst Du zur Arbeit.

In der Mittagspause vereinbarst Du einen Arzttermin und kümmerst Dich um ein Rezept. Nach Feierabend gehst Du einkaufen, bereitest das Abendessen zu und erledigst den Haushalt. Später kontrollierst Du noch einmal telefonisch, ob alles in Ordnung ist. Jede einzelne Aufgabe wirkt vielleicht überschaubar. Zusammengenommen bestimmen sie jedoch Deinen gesamten Tagesablauf. Für Erholung, Freizeit oder die eigene Familie bleibt kaum noch Zeit. Genau deshalb ist Angehörigenpflege keine kleine Gefälligkeit, die einfach nebenbei erledigt wird.

Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche
Viele pflegende Angehörige zögern lange, bevor sie Unterstützung in Anspruch nehmen. Manchmal glauben sie, allein verantwortlich zu sein. Manchmal lehnt die pflegebedürftige Person zunächst Hilfe von außen ab.

Ein behutsamer Einstieg kann dabei helfen, Vertrauen aufzubauen. Unterstützung muss nicht sofort bedeuten, die gesamte Betreuung abzugeben. Oft beginnt Entlastung schon mit einzelnen Aufgaben.

Möglich sind zum Beispiel:
– Unterstützung im Haushalt
– Begleitung beim Einkaufen
– gemeinsame Zubereitung von Mahlzeiten
– Begleitung zu Arztterminen
– Betreuung und Gesellschaft zuhause
– Hilfe bei der Grund- und Körperpflege
– stundenweise Entlastung pflegender Angehöriger
– Unterstützung bei Demenz
– Beratung rund um Pflege und Betreuung

So entstehen Freiräume, in denen Angehörige arbeiten, Termine wahrnehmen oder einfach einmal neue Kraft sammeln können.

Auch Helfende brauchen Hilfe
Der Mythos ist falsch: Angehörigenpflege läuft nicht einfach nebenbei. Hinter ihr stehen häufig ein hoher Zeitaufwand, eine große Verantwortung sowie körperliche und emotionale Belastungen. Wer sich um einen nahestehenden Menschen kümmert, leistet jeden Tag Wertvolles, muss diese Aufgabe aber nicht allein bewältigen.

Home Instead unterstützt Dich und Deine Familie dabei, passende Entlastungsmöglichkeiten für Euren Alltag zu finden. Gemeinsam schauen wir, welche Aufgaben übernommen werden können und welche Form der Unterstützung zu Eurer persönlichen Situation passt. Denn gute Betreuung bedeutet nicht nur, für einen pflegebedürftigen Menschen da zu sein. Sie bedeutet auch, die Menschen zu stärken, die jeden Tag für ihn sorgen.

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